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Tausende Kornblumen im Landtag


12 000 Papier-Kornblumen im Thüringer Landtag

Ein Demokratie- und Kunstprojekt erinnert an die Zwangsaussiedlungen aus dem ehemaligen DDR-Sperrgebiet von 1952 bis 1961

Über 340 Jugendliche aus ganz Thüringen haben sich heute am 6. Oktober im Thüringer Landtag in Erfurt getroffen. Sie kamen von Schulen und Jugendgruppen aus Apolda, Bad Salzungen, Breitenworbis, Eisenach und Erfurt. Im Rahmen des landesweiten Projektes „Von Ungeziefer und Kornblumen“ haben sie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen getroffen, die von ihren Zwangsaussiedlungen berichteten: vom brutalen Wecken durch Soldaten mitten in der Nacht, vom Abtransport auf LKWs und in Viehwagons, vom Abschied nehmen und irgendwo Ankommen müssen, von leidvollen Erinnerungen, die nicht verblassen wollen. 

Im Anschluß haben die Jugendlichen in ihren Schulklassen und Gruppen Kornblumen aus Papier angefertigt, insgesamt über 12 000 Stück. Am 6. Oktober werden die Blumen im Thüringer Landtag zu einem großen Kornblumenfeld zusammengesteckt: Zum Gedenken an die ebenso hohe Zahl der Zwangsausgesiedelten. Als Erinnerung an eine Staatsmacht, die sich nicht scheute, Andersdenkende brutal aus deren Umfeld herauszubrechen und zu entfernen. Als Hinweis auf die Kraft von Menschen, gegen Unrecht standzuhalten.

Binnen einer guten Stunde wird aus den 12 000 Kornblumen das Blumenfeld entstehen, aufgesteckt auf über 200 Umzugskisten, die an die erzwungenen Ortswechsel erinnern. Alle Zeitzeugen aus den vorangegangenen Gruppentreffen werden anwesend sein, extra angereist aus Coburg, Streufdorf, Eisenach, Großburschla, Faulungen und Silberhausen. 

Eine Delegation von Jugendlichen aus allen Städten wird die ersten Kornblumen in die Umzugskisten stecken, zusammen mit Margit Jung, Vizepräsidentin des Thüringer Landtages und mit Dr. Babette Winter, Staatssekretärin für Kultur und Europa in der Thüringer Staatskanzlei. Musikalisch begleitet durch die Bratschistin Katharina Müller (Weimar). „Moderiert“ durch den Pantomimen Christian Schröter (Stellwerk Weimar), der die sicher dynamische Kunstaktion der über Dreihundert auch koordiniert.

Bis 12. Oktober wird die Installation während der Öffnungszeiten des Landtages zu sehen sein. Besucher können noch vor Ort eigene Papierblumen anfertigen und hinzufügen. Das „Grenzlandmuseum“ und das „Zweiländermuseum Rodachtal“ bieten am Rand des Blumenfeldes ergänzende Informationen.

(Medieninformation von Hans Ferenz (Initiator, künstlerischer Leiter) –  Kontakt: 0170-4815668)

  • LP Carius im Gespräch mit teilnehmenden Schülerinnen und Schülern
    LP Carius im Gespräch mit teilnehmenden Schülerinnen und Schülern
  • Präsident Carius (hinten rechts) im Gespräch mit Zeitzeugen der früheren Zwangsaussiedlungen
    Präsident Carius (hinten rechts) im Gespräch mit Zeitzeugen der früheren Zwangsaussiedlungen
  • Projektleiter Hans Ferenz (li) erläutert die Kunstaktion.
  • Grußwort durch Vizepräsidentin Margit Jung